Seit Mitte 2025 gelten neue gesetzliche Anforderungen an digitale Barrierefreiheit. Mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) wurde der European Accessibility Act (EAA) in deutsches Recht überführt. Dadurch rücken viele digitale Angebote stärker in den Fokus.
Für Unternehmen stellt sich deshalb eine zentrale Frage:
Ist meine Website barrierefrei und wie kann ich es prüfen?
Am Anfang geht es nicht darum, sofort jedes Detail perfekt umzusetzen. Wichtiger ist zunächst, Orientierung zu schaffen. Wer weiß, wie sich die Barrierefreiheit einer Website prüfen lässt, kann besser einschätzen, ob Anpassungen notwendig sind und welche Bereiche besonders relevant sind. Die gute Nachricht ist:
Es braucht keinen kompletten Relaunch, um einen realistischen Überblick zu bekommen. Schon mit wenigen Schritten lässt sich erkennen, ob Handlungsbedarf besteht und wo Verbesserungen sinnvoll sind.
Dieser Artikel ist die Fortsetzung unseres Artikels „Digitale Barrierefreiheit: Pflicht oder Chance?“ und zeigt, worauf es beim ersten Barrierefreiheitscheck der eigenen Website ankommt.
Wann betrifft das BFSG eine Website?
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz verpflichtet Unternehmen dazu, bestimmte digitale Produkte und Dienstleistungen barrierefrei anzubieten. Ziel ist es, Menschen mit Einschränkungen eine gleichberechtigte Nutzung digitaler Angebote zu ermöglichen.
Im Unterschied zu früheren Regelungen betrifft das Gesetz nicht mehr nur öffentliche Einrichtungen. Auch privatwirtschaftliche Unternehmen stehen stärker in der Verantwortung, wenn sie digitale Services für Verbraucherinnen und Verbraucher bereitstellen.
Nicht jede Website fällt automatisch unter diese Regelung. Rein interne Plattformen oder Angebote, die ausschließlich für andere Unternehmen gedacht sind, sind teilweise ausgenommen. Trotzdem lohnt sich ein Blick auf die eigene Website: Digitale Barrierefreiheit verbessert nicht nur die rechtliche Sicherheit, sondern auch die Qualität digitaler Angebote.
Ist meine Website barrierefrei? Drei Fragen zur schnellen Einordnung
Bevor eine Website im Detail analysiert wird, hilft eine erste Orientierung. Drei einfache Fragen geben häufig bereits einen guten Hinweis darauf, ob Barrierefreiheit für Deine Website relevant ist.
- Richtet sich das Angebot an Verbraucherinnen und Verbraucher?
- Können User auf der Website etwas kaufen, buchen oder sich registrieren?
- Gibt es Formulare, Zahlungsprozesse oder interaktive Funktionen?
Wenn mindestens eine dieser Fragen mit Ja beantwortet werden kann, lohnt es sich, die Website genauer zu prüfen. Besonders Websites mit komplexen Interaktionen sollten frühzeitig analysiert werden.
Diese erste Einschätzung ersetzt keine vollständige Prüfung, sie hilft jedoch dabei, den eigenen Handlungsbedarf realistisch einzuordnen.
Warum viele Unternehmen unsicher bei Accessibility-Maßnahmen sind
Das Thema Barrierefreiheit wirkt auf den ersten Blick komplex: Gesetzestexte sind häufig abstrakt formuliert und lassen sich nicht immer direkt auf einzelne Websites übertragen. Gleichzeitig unterscheiden sich digitale Angebote stark voneinander. Manche Websites dienen lediglich der Information, andere sind vollständig digitale Serviceplattformen.
Diese Unterschiede sind entscheidend: Je stärker eine Website interaktive Funktionen enthält, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie unter die gesetzlichen Anforderungen fällt. Besonders relevant sind daher Websites, über die User aktiv mit einem Unternehmen interagieren können.
Viele Unternehmen stellen sich deshalb zunächst die Frage, ob sie ihre Website komplett überarbeiten müssen. In den meisten Fällen ist das jedoch nicht notwendig. Häufig reicht ein strukturierter Überblick über die bestehenden Funktionen, um den tatsächlichen Anpassungsbedarf realistisch einzuschätzen.
Typische Barrieren auf Websites
Barrieren auf Websites zeigen sich oft schon im Alltag. Viele davon fallen auf den ersten Blick kaum auf, können die Nutzung aber deutlich erschweren.
Ein typisches Beispiel sind unzureichende Kontraste zwischen Text und Hintergrund. Menschen mit Sehbeeinträchtigungen können Inhalte dann nur schwer lesen. Auch fehlende Alternativtexte für Bilder stellen eine Barriere dar, weil Screenreader den Inhalt visueller Elemente nicht interpretieren können.
Weitere Probleme entstehen häufig durch komplexe Navigationsstrukturen oder unklare Linktexte. Wenn User nicht sofort erkennen können, wohin ein Link führt, wird die Orientierung auf einer Website deutlich schwieriger.
Solche Barrieren entstehen selten absichtlich. Häufig sind sie das Ergebnis historisch gewachsener Websites, uneinheitlicher Designstandards oder fehlender Prozesse in der Content-Produktion. Genau deshalb lohnt sich ein strukturierter Blick auf die eigene Website: Er zeigt, wo kleine Anpassungen bereits spürbar mehr Zugänglichkeit schaffen.
WCAG als internationaler Standard für Barrierefreiheit
Die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) bilden den wichtigsten internationalen Standard für digitale Barrierefreiheit und definieren klare Anforderungen für barrierefreie Webinhalte. Die Richtlinien basieren auf vier grundlegenden Prinzipien:
Viele gesetzliche Regelungen orientieren sich direkt an diesen Richtlinien. Deshalb sind sie eine wichtige fachliche Grundlage, wenn Unternehmen die Barrierefreiheit ihrer Website prüfen und realistisch einschätzen möchten.
Warum ein Website-Check sinnvoll ist
Ein strukturierter Website-Check ist ein sinnvoller erster Schritt. Viele Unternehmen stellen bei einer ersten Prüfung fest, dass sie bereits mit kleinen Anpassungen große Auswirkungen schaffen können. Verbesserte Kontraste, klarere Überschriftenstrukturen oder präzisere Linktexte erhöhen sowohl die Zugänglichkeit als auch die allgemeine UX deutlich.
Technische Tools können dabei unterstützen, Websites automatisch auf grundlegende Barrierefreiheitskriterien zu prüfen. Sie identifizieren beispielsweise fehlende Alternativtexte, unzureichende Kontraste oder strukturelle Probleme im HTML-Code.
Solche Tools ersetzen keine umfassende Fachprüfung. Sie bieten jedoch eine hilfreiche Orientierung und zeigen schnell, wo erste Verbesserungen möglich sind.
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Barrierefreiheit verbessert auch die UX
Ein wichtiger Aspekt im Zusammenhang mit Barrierefreiheit: Viele Maßnahmen, die eine Website barrierefrei machen, verbessern gleichzeitig die allgemeine Nutzererfahrung (UX).
Klare Strukturen, verständliche Inhalte und logisch aufgebaute Navigationen helfen nicht nur Menschen mit Einschränkungen. Sie erleichtern allen Usern den Zugang zu Informationen.
Darüber hinaus profitieren auch Suchmaschinen von klar strukturierten Inhalten. Barrierefreie Websites verfügen oft über sauber aufgebauten Code und verständliche Inhaltsstrukturen. Diese Faktoren unterstützen Suchmaschinen dabei, Inhalte besser zu analysieren und zu indexieren.
Barrierefreiheit wirkt sich deshalb häufig auch positiv auf die allgemeine Sichtbarkeit einer Website aus.
Fazit
Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz bringt neue Anforderungen für viele digitale Angebote mit sich. Gleichzeitig bietet es Unternehmen die Chance, ihre Websites aus einer neuen Perspektive zu betrachten.
Ein realistischer Website-Check hilft dabei, mögliche Barrieren frühzeitig zu erkennen und Prioritäten zu setzen. Oft zeigt sich dabei, dass viele Verbesserungen bereits mit überschaubarem Aufwand umgesetzt werden können.
Digitale Barrierefreiheit ist ein kontinuierlicher Prozess. Unternehmen, die frühzeitig beginnen, schaffen damit eine solide Grundlage für bessere und zugänglichere digitale Angebote.
Häufig gestellte Fragen
Wie kann ich prüfen, ob meine Website barrierefrei ist?
Die Barrierefreiheit einer Website lässt sich mit automatisierten Tests und manuellen Prüfungen überprüfen. Technische Tools wie Google Lighthouse, WAVE oder axe analysieren typische Barrieren, etwa fehlende Alternativtexte, unzureichende Farbkontraste oder Probleme in der Seitenstruktur.
Zusätzlich sollten Websites manuell getestet werden. Dazu gehört beispielsweise die Navigation mit der Tastatur oder die Nutzung eines Screenreaders. Diese Perspektive zeigt, ob Inhalte tatsächlich zugänglich sind. Für eine umfassende Bewertung empfiehlt sich eine professionelle Barrierefreiheitsprüfung, die sich an den internationalen WCAG-Richtlinien orientiert.
Betrifft das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz jede Website?
Nein. Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz betrifft vor allem Unternehmen, die digitale Produkte oder Dienstleistungen für Verbraucherinnen und Verbraucher anbieten. Dazu zählen beispielsweise Online-Shops, Buchungsplattformen, Banking-Apps oder Kundenportale mit Login-Bereich.
Rein interne Systeme oder Angebote, die ausschließlich für andere Unternehmen bereitgestellt werden, fallen häufig nicht unter diese Regelung. Auch Kleinstunternehmen können unter bestimmten Voraussetzungen ausgenommen sein.
Muss eine Website komplett neu entwickelt werden, um barrierefrei zu sein?
In den meisten Fällen ist ein kompletter Relaunch nicht notwendig. Viele Maßnahmen zur digitalen Barrierefreiheit lassen sich schrittweise umsetzen. Häufig betreffen Anpassungen Inhalte, Struktur oder kleinere technische Änderungen.
Warum verbessert Barrierefreiheit auch SEO?
Barrierefreie Websites folgen häufig denselben Prinzipien wie gute Suchmaschinenoptimierung. Sie nutzen klare Strukturen, semantisches HTML und verständliche Inhalte.
Diese Eigenschaften helfen Suchmaschinen und KI-Systemen dabei, Inhalte besser zu analysieren und einzuordnen. Strukturierte Überschriften, Alternativtexte für Bilder und logisch aufgebaute Seiten erleichtern die Indexierung und können die Sichtbarkeit in Suchmaschinen erhöhen.
Barrierefreiheit verbessert daher nicht nur die Nutzbarkeit einer Website, sondern unterstützt auch die langfristige Auffindbarkeit digitaler Inhalte.










